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LASS DEN ARMEN KERL KOMMEN ...

Bongey's Odyssee

Ich möchte Sie gern an einer ziemlich spektakulären Rettungsaktion teilhaben lassen. Es geht um den spanischen Podenco Bongey. Diese Rettungsaktion gestaltete sich nicht gerade einfach, wie Sie dem folgenden Artikel entnehmen können. Aber sie gibt ein Bild von den Geschichten, die sich manchmal hinter den Fotos und Beschreibungen auf den Internet-Seiten unter den Rubriken „Zuhause gesucht“ verbergen und was so alles passieren kann, bevor ein solcher Hund sicher in den Niederlanden – oder in Deutschland – ist.


 



 

Mitte Juli d.J. bekam ich einen Hilferuf von ASPAC, einem Tierschutzverein im spanischen Castellón, mit dem ich schon früher zusammengearbeitet hatte. Es ging um Bongey (wie Addy von Podenco in Nood ihn später nannte), einen Podencorüden, der schon seit Monaten herrenlos in Castellón herumstreunerte.


 
 

Die Mitarbeiter von ASPAC hatten ihn dort gesehen und konnten ihn nicht vergessen. Sie sind mehrfach dorthin gegangen, um ihn einzufangen, aber sie bekamen ihn nicht mehr zu Gesicht. Nach einiger Zeit hatten sie endlich Glück. Er war wieder dort, und als sie ihn riefen, wedelte er zaghaft mit dem Schwanz. Er war zwar ängstlich, aber er kam zu ihnen hin. Sie konnten ihn anfassen und füttern. Sie schätzten ihn auf höchstens 2 Jahre alt, in schlechter Verfassung und voller Zecken. Und seine Traurigkeit war enorm und ging tiefer: er war traurig in seiner Seele.
Den Mitarbeitern von ASPAC ging dieser Hund nicht mehr aus dem Sinn. Jeden Tag könnte er wieder verschwunden sein, überfahren werden, in eine Tötungsstation gebracht. In der Auffangstation war aber kein Platz mehr, und guter Rat war teuer.


 

Als ich die Geschichte las und die Fotos sah, muss ich sagen, dass Bongey auch mich sehr anrührte. In solchen Situationen bereue ich es immer, dass ich keinen Verein mit potentiellen Pflegefamilien und selbst keine Auffangmöglichkeiten habe.
Ich nahm mit Addy Koot von Podenco in Nood Niederlande Kontakt auf mit der Frage, ob sie nicht vielleicht etwas für den armen Kerl tun könnten. Das Wunder geschah: Addy sah sich die Fotos an und hatte wohl ähnlich Gefühle wie ich; denn ohne zu zögern mailte sie mir zurück: Lass den armen Kerl kommen, wir finden einen Platz für ihn. Vorläufig könnte er bei Addy selbst in Pflege.


 
 

Das nenne ich: Tierschutz pur!! Schon bei einer früheren Rettungsaktion von ASPAC hatten die Menschen von Podenco in Nood sich als tatkräftige Helfer entpuppt und zwei alte blinde Hunde aufgenommen (siehe Artikel „Die Hunde von Burriana“ in der Podencozeitung Nr. 20). Nun musste natürlich in Spanien alles mögliche geregelt werden. Es klappte schon innerhalb einer Woche eine Flugmöglichkeit für Bongey zu finden. Er könnte nach Düsseldorf fliegen, wo Addy ihn dann abholen sollte.


 

Leider klappte dieser Plan nicht: Als Bongey Ende Juli eingefangen werden sollte, fanden die Tierschützer zusammen mit ihm einen anderen Podenco vor, der aber ängstlicher war. Sie tauften ihn Rito. Und jetzt? Man entschloss sich beide Hunde zu fangen, da man den scheuen Rito nicht allein zurücklassen wollte.


 
 

Bongey ließ sich erneut mit Futter locken und sich sogar ein Halsband umlegen. Beim Versuch ihn ins Auto zu bringen, wurde er jedoch nervös und biss Lorena, die Tierschützerin von ASPAC, die leider auch keinen Maulkorb dabei hatte.


 
 

Sie riefen deshalb die Perrera Mediterránea an, in der Überlegung, dass er dann dort über Nacht im Zwinger bliebe und am nächsten Tag nach Barcelona gebracht werden sollte, in Erwartung seines Fluges nach Holland. Der Mann von der Perrera, der nach anderthalb Stunden kam, versuchte erst vergeblich Rito einzufangen, dann versuchte er Bongey ins Auto zu bekommen, was ihm jedoch auch nicht gelang.

Der arme Hund wurde immer panischer, was ja nur zu verständlich ist, und als der Mann dann auch noch ein Fängerlasso packte, war die Panik komplett. Bongey schrie, daraufhin sauste Rito sofort vor Schreck davon und Bongey zappelte und wollte nicht ins Auto. Es gelang ihm sich loszureißen, und Bongey suchte mit Halsband und Leine das Weite. Der Mann versuchte ihm dann im Auto nachzustellen, was natürlich erfolglos blieb.

So war also die Sachlage Ende Juli. Alle Betroffenen waren in Sorge. Ob es noch gelingen würde den inzwischen völlig verängstigten Bongey und seinen Freund Rito zu fangen? Seine Situation hatte sich ja eher noch verschlechtert, denn jetzt lief er auch noch mit Halsband und Leine, womit er irgendwo hängen bleiben konnte. Und dann?? Würde er sich überhaupt noch mal anfassen geschweige denn fangen lassen, wo er durch diese Erfahrung sicherlich noch mehr Angst vor den Menschen bekommen hatte?

Am 11. August waren dann acht Mitarbeiter von ASPAC zur Stelle um Bongey und Rito einzufangen... und trafen dort nur Bongey an. Das erschwerte die Situation enorm, fürchtete man doch zurecht, dass man den scheuen Rito ohne Bongey gleich gar nicht würde einfangen können. Man musste also abwarten bis beide Hunde wieder zusammen auf der Bildfläche erscheinen würden. Die Sache zog sich hin, und inzwischen war die Pflegestelle in den Niederlanden von einem anderen Notfall besetzt. Derer gibt es ja leider nur allzu viele. Inzwischen fuhren die Mitarbeiter von ASPAC dreimal täglich zu der Stelle, wo die beiden Hunde lebten. Aber selbst die Versuche Bongey und Rito durch Futter mit Beruhigungsmittel zu betäuben, scheiterten. Die Hunde liefen benommen davon.


 

Nach Wochen musste man dann den Versuch, beide Hunde gleichzeitig zu fangen aufgeben. Am 14. September wurde der letzte Versuch gemacht, aber als das nicht gelang, entschied man sich vorläufig wenigstens Bongey zu retten. Selbst das war nur mit einem Betäubungs-Blasrohr möglich. Er wurde nach Barcelona gebracht, wo er bis zu seinem Abflug aufgefangen wurde.


 
 

Am 15. Oktober flog er dann – endlich!! – zusammen mit vier anderen Hunden nach Düsseldorf, wo er von Addy Koot abgeholt werden sollte.


 
 

Sofort nach der Landung wurden alle Hunde beschlagnahmt, obwohl sie einen europäischen Pass hatten und geimpft und gechipt waren. Ein Tierarzt wurde aufgerufen der die Papiere kontrollieren und die Hunde untersuchen sollte. Das Wort “Hundehandel” fiel wieder mal, und die Tiere sollten in das Tierheim Düsseldorf überstellt werden. Das hatten wir doch schon mal, man erinnere sich an den Transport der Hunde aus Burriana.

Die Herren Beamte kamen dann zurück und wollten nun auch noch die Pässe der Leute die die Hunde abholen kamen. In der anschließenden Diskussion hat Addy Koot sie darauf hingewiesen, dass sie sie verklagen würde wenn sie die Beschlagnahmung nicht sofort aufheben würden. Außerdem verlangte sie – zurecht – eine Erklärung dafür, warum die Hunde beschlagnahmt waren. Die gab es aber nicht! Man zog sich also unter Mitnahme der Pässe erst mal zurück und kam nach einer guten Stunde wieder mit der Mitteilung, die Beschlagnahmung sei aufgehoben. Na also, geht doch!

Die Leute haben dann doch noch eine gute Stunde warten müssen, bis die Hunde endlich aus dem Schuppen gefahren wurden. Sie waren übrigens gar nicht vom Tierarzt untersucht worden, sonden hatten die ganze Zeit in dem eiskalten Schuppen gestanden, wo der Wind freies Spiel hatte.


 

Als Addy Bongey endlich aus seiner Transportbox holen konnte, ging es ihm sehr schlecht. Er war in einer Art Schockzustand, hustete und war völlig unterkühlt. Addy fuhr sofort weiter nach Amsterdam, wo noch andere Hunde für Podenco in Nood auf dem Flughafen ankamen und wo Bongey von seiner Pflegemutter übernommen wurde und nun endlich sein neues Leben anfangen kann.



 
 

Am 17. Oktober kann Bongey’s Pflegemutter zum Glück melden, dass es ihrem Zögling schon wieder recht gut geht und dass er sein Abenteuer alles in allem wohl ganz gut verkraftet hat.
Und Rito? werden Sie sich jetzt fragen. Nun, wenn es den Mitarbeitern von ASPAC gelingt ihn einzufangen, dann darf auch er in die Niederlande kommen.


 
 

Ich möchte an dieser Stelle den Mitarbeitern von ASPAC und Podenco in Nood Niederlande und im Besonderen Addy Koot und Bongey’s Pflegemama, recht herzlich danken für ihren unermüdlichen Einsatz, ihre Geduld und Energie die dazu beigetragen haben diesem Hund ein neues Leben zu ermöglichen. Was Bongey nun noch braucht, ist ein liebevolles Zuhause. Und ich hoffe von Herzen, dass auch sein Freund Rito bald in die Niederlande kommen kann, wo Menschen von Podenco in Nood für ihn bereitstehen werden.

Judy Kleinbongardt, Oktober 2004